Feinstoff

by Marlène

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  • Compact Disc (CD) + Digital Album

    In Neukölln produziert aus 100% Recyceltem Karton, besiebdruckt in Neukölln, designed von Peter Bartz, gefaltet von Marlène.

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about

Mit Lupe und tapferem Lächeln geht die gebürtige Neuköllnerin dahin wo's weh tut und kommt mit Dreck am Knie, Blumen, neuen Wegen und neuen Problemen zurück.

credits

released February 28, 2020

Text & Musik: Marlène Colle

Marlène Colle - voc, keys, git, synth, noise
Kristina Koropecki - voc, cello, organelle
Max Schröder - dr, perc
Michael Flury - trombone on Kiss Fm & Theorie und Praxis
Mark Bérubé - mellotron on Theorie und Praxis

Arranged by Yippie Yeah
Produced by Moses Schneider
Mixed by Ingo Krauss
Mastered by Michael Schwabe

license

all rights reserved

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about

Marlène // Yippie Yeah Berlin, Germany

Marlène Colle, gebürtige Neuköllnerin, Tänzerin, Musikerin, Mutter, Frau. Die Texte düster, mutig und humorvoll, mit einer Prise Provokation, Verletzlichkeit und liebevollem Augenzwinkern, die Musik wunderbar melancholisch und melodiös, geprägt von Klavier- und E-Gitarrenklängen und ihrer unverkennbaren, klaren Stimme. ... more

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Track Name: Bleib
Oh ja, ich weiß, es wird langsam Zeit meine Fenster zu schließen. Der Regen beginnt zu gefrieren - mit mir, wenn ich hier stehen bleib.

Ich bin kaum zu verstehen. Meine Ohren sind taub und ich kann überhaupt nichts mehr sehen, es ist viel zu spät.

Drum komm doch zu mir. Setz dich hin und bleib hier. Hier bei mir.

Hey, wenn du morgen noch willst, geb ich dir alles zurück. Ich mach Frühstück mit deiner Lieblingsmusik, mit meinen schönsten Gedanken, meinem Lächeln, von dem Du nie genug kriegst.

Ich bin kaum zu verstehen, ich weiß. Und ich weiß, dass du weißt, dass hier gar nichts mehr geht, es ist viel zu spät.

Drum komm setz dich hin und bleib hier. Frag mich nichts, bleib bei mir. Hier bei mir. Hier bei mir. Hier bei mir.
Track Name: Grill Royal
Du warst einer von uns, ganz unten im Kiez. Wir haben alles geteilt, weil: Zu viel gab es nie. Jetzt hast du's geschafft, sagt man."Ganz groß raus". Aber fall nicht zu tief, jedes Spiel ist mal aus.

So schade um deinen schönen Geist, erhängt aus Angst vor Unvollkommenheit. Am Strick aus Sehnsucht nach Geltung und Macht, um dazuzugehören zur Crème dieser Stadt.

Du kommst hier nicht raus, Alter, du hast keine Wahl. Auch nicht bei Hummer im Grill Royal.

Die teuersten Frauen hängen hier nackt an der Wand. Eine Himbeertomate und ihre Scham in der Hand. Den kleinen Rest Würde degradierst du mit Stil. Das ist auch nicht schwer, da war nicht mehr viel.

Doch wenn irgendwas wächst, muss auch irgendwas sterben. Was hast du außer Geld jetzt deinem Kind zu vererben? Geparkt bei der Nanny 10 Stunden am Tag. Weil es dich braucht ist, warum es dich mag.

Bleib doch bei uns, wir brauchen dich hier. Das sieht doch jeder, dass du ignorierst, dass uns alle die selben Zweifel plagen und wir ein müdes Herz in uns tragen.

Da kommst du nicht raus, Alter, du hast keine Wahl. Auch nicht bei Hummer im Grill Royal.

Mit all diesen 'Freunden' hängst du jetzt im Netz, das euch nie ehrlich zusammenkommen lässt. Darfst nie verlieren, hast jeden Tag den geilsten Deal und beste Laune am Start.

Bleib doch bei uns, wir brauchen dich hier. Das hilft doch keinem, wenn Du ignorierst, dass uns alle die selben Zweifel plagen, wir auf's Klo gehen und heulen und als Eltern versagen.

Komm mal zu uns, wir brauchen dich hier. Dein Platz bleibt dir frei, den wirst du nie verlieren. Jeder ist mal bekloppt, alle lassen sich blenden, aber jetzt ist es Zeit diesen Scheiß zu beenden. Komm einfach da raus, Alter, du hast doch die Wahl! Und wir verschenken dein Kapital.
Track Name: Februar
Der dritte Anlauf. Das dünne Haar. Der Weg zu Penny im Februar.
Die Stadt ist alle, erschöpft und grau. Komm, reiß dich zusammen, Neukölln, du weißt doch ganz genau:

Es ist nur Februar und bald ist die Sonne da! Der letzte Meter welkes Laub, gespickt mit Hundekacke, braucht dich nicht mehr so runterzuziehen. Bald werden da Krokusse blühn! Und all die wundgeputzten Schnupfennasen heilen an der Luft und lassen Platz für neues Glück.
Bald kommt der Mut wieder zurück.

Die alte Liebe. Dein müder Kuss. Ausrastende Kinder im stickigen Bus. Die kleine Hoffnung für's neue Jahr, hast du verloren diesmal schon Ende Januar. Doch weißt du noch wie sich der Wind verfängt, wenn du im Kleid mit dem Rad durch die Straßen sprengst? Fühlst du noch die Sommernacht, die dich immer noch wärmt, wenn der Morgen schon lacht? Weißt du noch wie du die Sorgen verlierst, wenn du endlich mal nicht mehr fürchtest zu friern?

Es ist Februar und bald ist die Sonne da! Die letzten Viren ziehen vorbei, bald sind die Bronchien wieder frei. Und du kannst atmen so viel, wie deine Lunge es will. Und all die vollgepissten U-Bahnschächte, die viel zu langen, dunklen Nächte, die schuppige Haut unterm Wollunterhemd, das Salz das den Hunden die Pfoten verbrennt, die schlecht gelaunten Motzgesichter, die Spaßverderber und Freiheitsvernichter heilen an der Luft und lassen Platz für so viel neues Glück!

Bald kommt der Sommer nach Berlin zurück.
Track Name: Kiss FM
Es ist Mai und die Welt grinst dich an. Alle wissen wo's lang geht, jeder zeigt was er kann. In deinem Kopf sind nur Fragen. Du vergräbst dein Gesicht in allem, was ablenkt, nur wohin weißt du nicht.

Alles wächst immer weiter und in dir bleibt's leer. Selbst in der Jobcenterschlange ist jeder irgendwer. Nur du bist ein Nichts und 20 Jahre zu spät. Die stehen kurz vor der Ernte und du hast nichts gesät!

Und die Welt guckt dir zu. Und du suchst immer weiter. Hast die Augen nie zu und fliegst von der Leiter.

Dann im Herbst lehnt sich alles zurück. Manche sterben an Krebs, andere züchten ihr Glück. Dein Konto ist leer, aber dein Spieltrieb erwacht. Du schnappst die Gitarre und haust ab in die Nacht.

Da sind Leute in schummrigem Licht. Es sind alle betrunken und keiner kennt dein Gesicht. Du mischst dich ins Volk und trinkst drei Bier zu viel, stellst dich nach hinten und fängst an zu spielen.

Und keine Sau hört dir zu. Und du spielst immer weiter. Hast die Augen halb zu und Kiss FM als Begleiter.

Und jemand prostet dir zu und fängt lauthals zu singen an: "Happy Birthday to you". Du schmeißt dich immer wieder auf die Bahn und fängst von vorne an.
Track Name: Mach dich groß
Ich laufe durch Berlin und beginne zu schweben vor dir. Du gibst mir deine Hand, um das auch zu erleben. Und wir heben uns empor und alles kommt mir vor, wie ein Teil von mir. "Ich weiß nicht wer du bist", sagst du, "aber ich bleib jetzt bei dir."

So fliegen wir ans Meer, deine Augen sind müde und still. Irgendwas in meiner Stirn macht mich mürbe und trübe. Ich will sagen, was ich weiß und fragen wie du heißt, doch der Wind ist zu laut. Ich guck in deine Haare und hab Salz auf der Haut.

Da ist ein großer, weißer Vogel hinterm Hügel aufgetaucht. Er sieht mich an und sagt zu mir: "Sag mir, was du noch alles brauchst, um einfach einmal nur zu sein, zu nehmen, was man dir halt gibt, zu akzeptieren, dass du da bist und zu fühlen, dass man dich liebt."

Ich steh mit dir am Strand und du wirst immer kleiner vor mir. 'Ne Schippe in der Hand, in der anderen 'nen Eimer. Und wir graben dir ein Grab und alles, was ich hab, leg ich rein. "Es ist nunmal so weit", sagst du, "was sein muss, muss sein."

Dann kniest du dich in' Sand, legst deinen Kopf ab und schließt deine Augen sanft zu. "Es ist alles wie es sein soll", denk ich und versuch mir zu glauben. Und du rollst dich in dein Grab, die Wellen sind dein Sarg und die Flut nimmt dich mit. "Ich hab irgendwas kapiert", hoffe ich und hebe den Blick.

Da ist der große, weiße Vogel, der die Sonne fast verdeckt. Er sieht mich an und sagt zu mir: "Hey, lass den ganzen Quatsch mal weg! Es gibt hier gar nichts zu kapieren, lass die Hoffnung einfach los, lass den Verstand kapitulieren und mach dich groß. Mach dich groß"
Track Name: Theorie und Praxis
Die Sonne frisst den Horizont. Fenster verglühen an der Häuserfront. Du grinst mich an. Mein einer Fuß hängt hinter mir, komisch verkeilt in der Autotür, so dass ich doch nicht wegrennen kann.

Du sagst: "Komm stell dich nicht so an!", unterdrückst ein Lachen, reichst mir die Hand. Ausmaß nicht erkannt. So darf mich eigentlich keiner sehen, und wenn ich schon nicht kann, musst du eben gehen. "Hau ab!" Du bleibst stehen.

Und ich schäm mich so vor dir. Mein dramatischer Abgang ist eben gerade hier in sich selbst zusammen gefallen. Kopf rot, Fuß geschwollen.

Dein Blick tastet durch mein Gesicht. Du lächelst und verstehst mich nicht. Generation nichts gelernt. Der abgeguckte Chauvinist in dir glaubt, dass er Überlegener ist und nimmt mich einfach nie ganz ernst.

Und ich hasse dich so dafür. Und deine Eltern auch. Und den Krieg. Und die Autotür. Und mich selbst, wie ich probiere klug, stark und schön und reflektiert, die Frau zu sein, die nie verliert.

Theorie und Praxis, Baby, meilenweit entfernt. Ich glaube an die Liebe, aber habe nichts gelernt. Jeden Kerl hab ich entthront und jedes Mädchen losgekettet. Und jetzt steh ich hier und warte, dass ein Prinz kommt und mich rettet.

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